News
Infos zu verschieden Anlässen bei denen der Bauernverein aktiv mitwirkt oder im Hintergrund Unterstützung leistet, sowie Aktuelles rund um die Landwirtschaft.
Bauernmarkt Wattwil 26. & 27. Oktober 2024
HV 2024 am 12. Februar 20:00 Uhr in der Markthalle Wattwil
Beitrag Familie Hüberli, Ennetbühl
Berggebiet braucht innovative Bauern
Sie ist nicht nur eine hervorragende Köchin, sie ist auch Gastgeberin und Bäuerin mit Leib und Seele. Vreni Hüberli bewirtschaftet mit ihrem Mann Walter und ihren Söhnen und Töchtern in Ennetbühl einen Bergbauernhof auf 1200 Metern über Meer.
Der Betrieb auf der «Obern» ist ein traditioneller Toggenburger Landwirtschaftsbetrieb. Milchproduktion und Viehzucht stehen im Mittelpunkt und prägen den Betrieb. Das Wiesland, die Weiden und die Alpflächen von Hüberlis sind ein Teil der einzigartig schönen Toggenburger Landschaft zwischen Speer, Säntis und den Churfirsten. Ihr Betrieb und mehrere Hundert anderer Landwirtschaftsbetriebe in der Region sorgen für den besonderen Reiz der Landschaft. Ein grünes, liebliches und abwechslungsreiches Naturparadies. Der Betrieb «Obern» gehört zu den höchstgelegenen, ganzjährig bewohnten Landwirtschaftsbetrieben im Toggenburg. Die Winter hier oben sind etwas länger als im Tal, die Niederschläge häufiger und der Wind rauher, dafür ist die Aussicht und Lage umso schöner.
Besonderer Reiz
Wenn das «Bauern» oftmals auch beschwerlicher ist als im Tal, so hat das Leben und die Arbeit hoch über dem Talboden mit direkter Sicht auf die Churfirsten etwas ganz Besonderes an sich. Vreni Hüberli hat mit ihrer Teilnahme an der «Landfrauenküche» im Jahre 2019 wertvolle Erlebnisse und Erfahrungen sammeln können. Quer durch die Schweiz durfte sie das Zuhause und die Betriebe der anderen Teilnehmerinnen der Landfrauenküche kennenlernen. «Es gibt so viele schöne Orte in der Schweiz, ich würde jedoch keinesfalls tauschen» bemerkt Vreni Hüberli. Sie ist auf der Obern aufgewachsen, ihr Mann Walter hat «ighürotet», wie die Toggenburger das so sagen.
Arbeitsintensiv
Rund 44 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche in der Bergzone 2 und 3 gehören zum Betrieb. Da der Betrieb stark parzelliert ist, bringt die Bewirtschaftung sehr viel Aufwand mit sich. Die 37 Milchkühe und die rund 50 Stück Jungvieh verbringen einen Teil des Sommers auf der Alp. Die «Lütisalp» und das «Burch» liegen ebenfalls in der Gemeinde Nesslau. Bis zu 14 Wochen weiden die Tiere auf der Alp. Die produzierte Milch wird als Konsummilch verkauft, ein kleiner Teil wird zu Käse und Butter verarbeitet und betriebs- und familienintern verbraucht. Familie Hüberli hat in den letzten Jahren in die Milchwirtschaft investiert. Mit dem Laufstall und dem Auslauf ist für das Tierwohl gesorgt, der Melkroboter ist eine wertvolle Arbeitserleichterung.
Biodiversität als Teil des Betriebes
Fast 20 Prozent der Betriebsfläche sind als Biodiversitätsflächen ausgeschieden und werden nicht gedüngt. Ein grosser Teil der extensiv genutzten Wiesen, Weiden und Streuflächen weist eine hohe Qualität auf. Auf der Alp sind zudem Flächen als Hoch- und Flachmoor ausgeschieden. Die Balance von Produktion und Biodiversität stimmt. Der Einsatz von Pestiziden hat auf dem Betrieb keine grosse Bedeutung. Für die Einzelpflanzenbehandlung von Blacken, Disteln, Jakobskreuzkraut und Neophyten werden sehr gezielt und in einem kleinem Mass Pflanzenschutzmittel eingesetzt.
Innovationen gehören zum Betrieb
Kreativität und Tatendrang sind dem Ehepaar Hüberli eigen. Seit mehreren Jahren gehört der Agrotourismus zum Betrieb. Im «Obern-Stöbli» können sich Gäste kulinarisch verwöhnen
Mahnfeuer gegen die beiden extremen Agrarinitiaiven
Emotionen wecken und Zeichen setzen
Die Abstimmung über die Agrarinitiativen bewegt die bäuerliche Bevölkerung. Mit Mahnfeuern wurden Emotionen geweckt und Zeichen gesetzt. Ein Augenschein in Wildhaus, mitten im Dorf. ADI LIPPUNER
Thomas Götte, vollberuflicher Landwirt mit Leib und Seele und Vorstandsmitglied des Bauernvereins Toggenburg, ist einer der vielen Bauern, welcher am Samstagabend ein Mahnfeuer entzündete. Doch damit nicht genug, er organisierte auch eine Zusammenkunft mitten im Dorf und neben einer Feuerschale, gut gefüllt mit flackernden Holzscheiten, wurde über die bevorstehende Abstimmung diskutiert. Die Betriebsgemeinschaft der beiden Brüder Thomas und Bruno Götte ermöglicht zwei Familien eine wirtschaftliche Existenz. Mit dabei auch zwei Lehrlinge und der inzwischen pensionierte Vater Paul Götte als Angestellter. «Dank Pouletmast, Milchvieh und Weidemast F1 haben wir ein gesichertes Einkommen. Bei Annahme der beiden aus Bauernsicht extremen Initiativen wäre nicht nur der eigene Betrieb, sondern auch viele andere bäuerliche Existenzen in Gefahr», ist Thomas Götte überzeugt. Je nach Betriebsstruktur erreiche ein Landwirt im Toggenburg rund 85 Prozent Eigenversorgung beim Futter. «Übers Ziel geschossen» Für die anwesenden Bäuerinnen und Bauern war am Samstagabend klar, dass die Anliegen der Initiativen weit übers Ziel hinausschiessen. «Wir müssen alles daran setzen, damit der inzwischen eingeschlagene Weg mit Forschung, technischen Erneuerungen wie Smart Farming, aber auch die Reduktion von Pestizid auf das dringend Nötige weitergegangen werden kann», so die Aussage eines Anwesenden. Er verstehe nicht, dass die Bauern einmal mehr die «Prügelknaben der Nation» sein sollen. «Wir setzen alles daran, um im Inland gesunde Nahrungsmittel zu erzeugen. Die bäuerliche Familienstruktur ist auf langfristige Planung ausgerichtet, ich habe den Hof von meinen Eltern übernommen und auch unsere Kinder sehen die Zukunft in der Landwirtschaft. Doch wie soll das gehen, wenn uns ständig von Städtern vorgeschrieben wird, wie wir zu arbeiten haben», so ein sichtlich verärgerter Wildhauser Bauer. Enges Vorschriftenkorsett Die Diskussionen am Rande des Feuers drehen sich nicht nur um die bevorstehende Abstimmung, obwohl die Initiativen der eigentliche Grund für die Zusammenkunft sind. «Wir müssen mit ständig neuen Vorschriften klarkommen, die Büroarbeit steigt ins Unermessliche und doch sollen uns immer mehr Einschränkungen auferlegt werden», ereifert sich ein Anwesender. Die Umsetzung der Initiativen, sowohl der Bereich Trinkwasser als auch das Verbot von Pestiziden, sei, wie von den Initianten gefordert, nicht durchführbar. «Auch wir im Berggebiet sind auf den massvollen Einsatz von Spritzmitteln angewiesen. Denkt doch nur an die Alpweiden mit den Alpenblacken und den Brombeersträuchern. Was würden wohl die Feriengäste, die sich gerne in der Natur aufhalten, sagen, wenn ganze Weideränder von Brombeerranken überwuchert werden oder grosse Flächen der Alpen nur noch mit Blacken bewachsen wären? Ganz abgesehen davon, dass wir die Weideflächen für unser Vieh benötigen. Aber wer in der Stadt seiner geregelten Arbeit nachgeht und die Lebensmittel möglichst billig im Supermarkt kauft, kann gut über die Bauern herziehen und immer mehr Einschränkungen verlangen», brachte eine Bäuerin ihren Ärger auf den Punkt. Und weil sich die Toggenburger Bauernfamilien vehement gegen die Initiativen einsetzen, wurde am Samstagabend auch das Ziel, mindestens fünf Mahnfeuer in jeder Gemeinde zu entfachen erreicht, wie der Präsident des Bauernvereins Toggenburg, Hansruedi Thoma, am Sonntagvormittag bestätigte.
Zeitungsbericht der Hauptversammlung
vom Bauernverein Toggenburg
Adi Lippuner